Oberpfälzer Waldverein Schwandorf
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Jakobsweg  von Tillyschanz bis Ensdorf  ca. 89km

Der Jakobsweg ca. 89km

Markierung: Weiße Jakobsmuschel auf blauem Grund.

Tillyschanz am Grenzübergang zur CR - Eslarn - Fuchsberg - Willhof - Schwandorf - Ensdorf.

Von dort weiter über Nürnberg nach Santiago de Compostela. Der Pilgerweg ist im OWV-Abschnitt Tillyschanz-Ensdorf auch als Wanderweg in beiden Richtungen begehbar. Seine rückwärtige Verlängerung nach Prag wude am 26./27.04.2003 gefeiert. Eine mögliche Etappeneinteilung mag jeder selbst an Hand der beigefügten Entfernungstabelle mit Angaben zu Übernachtungsgelegenheiten treffen.

Karten:

UK 50-19 und UK 50-20 des Bayer. Landesamtes für Vermessung und Geoinformation

Stand: Dezember 2006

Informaionen erhalten Sie beim Oberpfälzer Waldverein - Zweigverein Schwandorf

Hertzstr. 15
92421 Schwandorf
Tel. 09431/51887 E-Mail: info@owv-sad.de

oder beim

Oberpfälzer Waldverein - Hauptverein
Rotkreuzplatz 10
92637 Weiden i. d. OPf.
Telefon & Telefax: 0961 / 36451
http://www.owv-hv.de
E-Mail: geschaeftsstelle@owv-hv.de

Wegbeschreibung:

Die im Mittelalter hochgeschätzte Idee, ans Grab des hl. Jakob in Santiago de Compostela zu pilgern, gewinnt in unserer Zeit wieder zunehmend an Bedeutung. Parallel zur religiösen Motivation wirkt dabei auch die politische Idee zur Integration Europas. Der Beginn unseres Jakobsweges im Weiler Tillyschanz (Gemeinde Eslarn) ist auch als Einladung an Wanderer und Pilger aus Osteuropa zu verstehen, die auf unserem Weg in Richtung Spanien vorankommen wollen. So steht auf einer Tafel unter anderem >>Nürnberg 175 km, Santiago de Compostela 2600 km. Der Name Tillyschanz kommt von den Schanzen, die 1611 hier auf Befehl der Amberger Regierung entstanden. Das Erdwerk wurde beiderseits der Straße nach Eisendorf zum Schutz gegen Einfälle aus Böhmen erstellt, aber zunächst nicht gebraucht. Erst 1621 erfolgten Veränderungen an der Grenzbefestigung, wahrscheinlich auf Betreiben des kaiserlichen Feldherrn Tilly (1559 - 1632) durchgeführt, der bei Roßhaupt den Mansfeldischen Truppen gegenüber lag und so seine Flanken sichern wollte.

Die Ausrichtung der Schanzen nun gegen Westen sowie der Name Tillyschanz deuten darauf hin. Heute sind nur noch kümmerliche Reste davon nördlich der Straße vorhanden; der größte Teil wurde beim Straßen- und Häuserbau zerstört. Der Grenzübergang ist für Fußgänger und Radfahrer offen sowie für PKWs mit den Kennzeichen NEW, SAD oder WEN und für tschechische PKWs, soweit sie für den Übergang zugelassen sind. Wanderer und Pilger, die für ihre Unterlagen einen Ortsnachweis bekommen wollen, sollten bei der deutschen Grenzabfertigung darum bitten. Von der Grenze aus führen zwei Hauptwanderwege des OWV, der Wallenstein-Tilly-Weg (verläuft im Wesentlichen von Ost nach West und ist mit rotem Schrägkreuz markiert) und unser Jakobsweg (markiert mit weißer Muschel auf blauem Grund) gemeinsam: Vom westlichen Ende des Parkplatzes aus führen sie erst einmal etwa 500 m rechts der Straße durch den Wald, überqueren dann die Verkehrsstraße und münden links davon in eine Waldstraße. Diese führt bergan. Wo der Wald zurückbleibt, erreicht sie einen Kamm. Im Vordergrund sieht der Betrachter die Streusiedlung Teufelsstein, weiter weg voraus den Markt Eslarn. Im Südosten erkennt er den Turm auf dem Plattenberg (Zvon, 863 m) jenseits der Grenze. Von links her gesellt sich hier auch noch der Nurtschweg hinzu. Er ist ein weiterer Hauptwanderweg des OWV, nämlich ein Teil des E 6 (europäischer Fernwanderweg Ostsee - Adria), und ist gelb-rot-gelb horizontal markiert. Auf einem Steig links der Straße führen schließlich alle drei Wege gemeinsam nach Eslarn hinunter.

Der Ort Eslarn wird Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals erwähnt, ist aber sicher schon viel älter. Über Jahrhunderte hinweg war er Umschlagplatz, Durchgangs- und Grenzstation im Handel mit Böhmen. Auch heute legt man großen Wert auf den Fremdenverkehr. Es gibt Gasthöfe, Pensionen, Ferienwohnungen und Privatquartiere in durchwegs schmucken Häusern. Etwa 3000 Einwohner leben von Handel, Gewerbe und Fahrzeugbau sowie von Holz- und Kunststoffverarbeitung.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt besitzt einen schönen Großranken-Akanthusaltar, eine Verschmelzung von Baum und Monstranz. Haupt- und Seitenaltäre werden dem oberpfälzischen Altarbauer Johann Michael Doser (1678 - 1756) zugeschrieben.

Die Markierungen aller drei genannten Wege führen zum Tillyplatz, von dort durch den Loisbachgrund und dann hinaus zum Freizeitzentrum Atzmannsee. Hier trennen sie sich. In letzter Zeit mehren sich Stimmen, dass Wanderer und Pilger auf dem Jakobsweg auch Gelegenheit zu einem Abstecher an die Autobahnkirche Waidhaus bekommen sollen. Der OWV hat daher in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Autobahnkirche und dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald eine Spange markiert, die der Wanderer als Alternative begehen kann. Die Spange ist mit einer roten Vertikalen auf weißem Rechteck markiert. Sie beginnt am westlichen Ende des großen Parkplatzes in Tillyschanz, führt nach Waidhaus (12 km) und weiter nach Eslarn/Atzmannsee (11 km). Der direkte Weg von Tillyschanz zum Atzmannsee misst 6 km. Wer Genaueres dazu erfahren möchte, sollte sich unter dem Stichwort „Spange Tillyschanz“ informieren. Für den Wanderer auf dem Jakobsweg bleibt der Badesee rechts liegen. Er quert die Straße nach Tröbes. Südlich von Pflugsbühl kommt er in den Wald. Bald geht es über eine stellenweise sumpfige Wiese. Auf der Straße nach Paßenrieth kann er noch einmal in das Eslarner Becken hinunterschauen. Dann führt eine längere Waldstraße hinauf in den Sattel zwischen dem Bromberg (687 m) und dem Stangenberg (750 m), wo man früher schon einmal Gold gesucht hat.

Knapp hinter dem Sattel hört der Wald auf und bei Lohhof hat man einen herrlichen Ausblick: Ganz rechts sieht man am Horizont den Mitterberg (784 m), weiter links Teile von Pleystein. Im Westen ahnt man das Tröbesbachtal und dahinter den Höhenzug, der Etzgersrieth verbirgt. Vorn unten liegt Gaisheim, darüber steht der Turm der automatischen Wetterbeobachtung auf dem Eisberg (770 m); an dessen Nordhang liegt Rückersrieth. Unser Weg führt nach Gaisheim. Es gibt hier zwei Gasthäuser, allerdings sind sie nicht immer geöffnet und man bekommt im Allgemeinen nur etwas zu trinken. Durch Gaisheim kommt auch ein weiterer Hauptwanderweg des OWV, der Oberpfalzweg, gelb-weiß-gelb horizontal markiert. Er verläuft im Wesentlichen von Nord nach Süd und verbindet die Kappel bei Waldsassen mit der Bezirkshauptstadt Regensburg.

Unsere Jakobsmuschel bringt uns ein Stück auf der Straße in Richtung Tröbes weiter. Nachdem wir zweimal links abgebogen sind, kommen wir über den Tröbesbach und auf eine Waldstraße, die für Motorfahrzeuge gesperrt ist. Das Sträßchen führt erst nach Süden und wendet sich dann nach Westen hinauf auf den Kamm des Hohen Rainsteins (750 m). Wo auf der Südseite des Kammes der Wald aufhört, schaut und geht man hinunter in den Ort Wildstein. Einkehr und Übernachtung sind zu empfehlen. Das Dorf mit knapp 200 Einwohnern ist vorwiegend landwirtschaftlich orientiert. Unser Jakobsweg verläuft jetzt auf einem Panoramasträßchen am Südhang des Wildensteins (736 m) entlang. Von hier aus entdeckt man im Südosten den Signalberg (888 m), im Süden den Kätzlesberg (655 m) mit seinem Sendemast und die Ruine von Haus Murach. Plötzlich kommt von rechts her der Burgenweg hinzu. Er ist ein weiterer Hauptwanderweg des OWV, er verbindet Marktredwitz mit Waldmünchen und er ist gelb-blau-gelb horzizontal markiert. Beide Wege führen jetzt gemeinsam nach Kühried, weiter in das Tal des Höcherlbaches hinunter und am Gegenhang nach Burkhardsberg hinauf. Noch etwa 500 m sind zu gehen und der Wanderer oder Pilger ist auf der Platte (596 m) angekommen. Der Blick zurück nach Norden lohnt sich, der nach vorn beflügelt. Im Süden wirbt das Murachtal mit seinem Hauptort Teunz (s.u.). Halblinks aber liegt zum Greifen nahe das Wallfahrtskirchlein St. Jakob bei Fuchsberg. Leichtfüßig springt man hinab.

Das Kirchlein steht in gepflegter idyllischer Umgebung. Falls es verschlossen ist, gibt es den Schlüssel bei Familie Brand in Fuchsberg (Tel. 09671-689). Im Inneren der Kirche findet man an der Emporenbrüstung zwei berühmte Bilder: Das eine zeigt eine Szene aus der Schlacht von Clavijo (844) bei Logrono, in der König Ramiro I. mit Hilfe des hl. Jakobus die Mauren besiegt hat. Das andere zeigt eine Schlacht aus den Türkenkriegen um 1683, in der der hl. Jakobus ebenfalls zum Beschützer des Christentums wird. Jakobsweg und Burgenweg trennen sich hier wieder. Jakobspilger gehen etwa 700 m auf der Straße nach Fuchsberg. Hier gibt es die Brauerei, deren Bier von Einheimischen sehr geschätzt wird, aber das einzige Gasthaus am Ort ist meist geschlossen. Das Dorf hat etwa 250 Einwohner und lebt vorwiegend von der Landwirtschaft. Unsere Jakobsmuschel geleitet hinunter in das Tal der Fausnitz und an dessen Gegenhang nach Teunz. Hier gibt es gut 700 Einwohner. Es sind meist Landwirte, aber auch Pendler. Einkehr, Unterkunft und Versorgung aus Geschäften sind möglich.

Westlich von Teunz quert man die viel befahrene Bundesstraße 22 (Vorsicht!) und folgt einem Stück der Straße nach Nabburg, zunächst unmittelbar auf der Straße, dann auf einem Weg links daneben, erst im Freien, dann im Wald reichlich hinauf. Der Straßenrand verschwindet nach rechts. Bei einem tief eingeschnittenen Graben biegt man scharf links ab. Wo der Wald aufhört, hat man einen schönen Blick über das Murachtal. Man kommt nach Voggendorf und weiter auf der Straße nach Rottendorf. Das Gasthaus bietet Getränke, Brotzeiten und einfache Unterkunft. Ein Feldweg geleitet den Wanderer/Pilger am Osthang des Gabesberges (555 m) in ein Tälchen und schließlich steil hinauf nach Enzelsberg. Kurz vorher empfiehlt sich ein Blick zurück: Bei guter Sicht erkennt man nicht nur den Kätzlesberg mit seinem Sendemast und die Ruine bei Obermurach, sondern auch den Signalberg und links davon, weiter hinten, die Berge im Grenzbereich nördlich von Stadlern. Enzelsberg selbst bleibt links liegen. Aus dem Ort kommt auch der Karl-Krampol-Weg (Hauptwanderweg des OWV, gelb-rot-gelb vertikal markiert, verbindet Amberg mit Stadlern). Er ist nach dem ehemaligen Regierungspräsidenten der Oberpfalz benannt. Beide Wege führen von hier aus gemeinsam bis zur Felsmühle (s.u.). Zuerst folgen sie wenige Meter der Straße nach Pischdorf. Dann geht es mit beiden Markierungen links über einen Feldweg, der bald in den Wald hineinführt. Man sollte hier genau auf die Markierungen achten. Vom südwestlichen Waldrand aus folgt man einem Betonsträßchen hinunter in den Sattel zwischen Dürnersdorf und Oberkatzbach und am Gegenhang wieder hinauf. Eine schöne Waldstraße führt schließlich zur Felsmühle hinunter. Bei ihr kann man zum Gegenhang hinaufschauen und oben das Schloss von Guteneck betrachten. Hier trennen sich die Markierungen. Während der Karl-Krampol-Weg nach Guteneck hinaufführt, folgt der Jakobsweg dem Katzbach bis zu einer Furt (Kinder dürfen einmal waten!) und wendet sich dann nach links hinauf in den Waldbereich der Herrenberge.

Nachdem der Pilger/Wanderer gebührend an Höhe gewonnen hat, zieht er östlich von Unterkatzbach am Waldrand entlang und er genießt eine Aussicht über das Katzbachtal hinüber. Wo nach knapp zwei weiteren Kilometern der Weg erneut den Waldrand erreicht, hüpft die Markierung plötzlich nach rechts in Richtung Schirmdorf hinunter. Bis kurz vor Willhof bleibt der Pilger/Wanderer jetzt auf der Straße.

In Willhof (ca. 150 Einwohner) steht die nächste Jakobskirche. Den Schlüssel gibt es bei Familie Bauer, Schwarzacher Straße 1 (Tel.: 09675-393). - Der Pilger/Wanderer kommt durch den Friedhof. Ein romanisches Portal führt ihn von der Südseite ins Kircheninnere. Dort kann er sich über gotische Spitzbogenfenster und eine bewegte Innenausstattung freuen. Der Hochaltar zeigt u.a. ein Bild unseres Kirchenpatrons.

Wer in Willhof Quartier oder Verpflegung sucht, wird enttäuscht. Ihm sei ein kleiner Umweg über Altendorf empfohlen. Man folgt zunächst der Markierung weiter und quert die Schwarzach. Beim alten Bahndamm (Weiche) muss man sich entscheiden: Entweder folgt man nach links einer Markierung blauer Ring auf weißem Rechteck und kommt über Altendorf nach 4,5 km zu einer Kreuzung „Spinne“ im Wald oder man nimmt die direkte Linie über Unterkonhof, bis zur Spinne sind es dann 3,5 km. Bei Unterkonhof gesellt sich von rechts her der Main-Donau-Weg (die Ostlinie) hinzu. Dieser verbindet Bischofsgrün mit Passau und ist als Hauptwanderweg des OWV mit dem M-D-Zeichen oder weiß-grün-weiß markiert. Beide Wege erklimmen zusammen den Höhenzug südwestlich des Schwarzachtales und queren die Straße Altendorf – Unterauerbach (etwas versetzt). Bei der Querung verlässt uns der Main-Donau-Weg, der uns bis hierher begleitet hat, weil er auf der Straßein Richtung Altendorf noch ein Stück weiter führt, ehe auch er wieder nach rechts in den Wald einbiegt. Unser Weg erreicht über die Spinne (eine Wegespinne) den Waldrand. Der Pilger/Wanderer kann danach zuerst auf das obere, schließlich aber auf das ganze Auerbachtal hinunter schauen. Er kommt nach Mitterauerbach. Für Gruppen lässt sich eine Einkehr organisieren, ein Blick ins Kircheninnere sei aber auch dem Einzelwanderer empfohlen.

Auch das Auerbachtal ist nach Südwesten durch einen Höhenzug begrenzt. Unser Weg zweigt noch im Ort von der Straße nach Wundsheim links ab und führt vorwiegend im Wald hinauf. Auf der Kammlinie kommt man aus dem Wald und kann auf die Baggerseen des ehemaligen Braunkohletagebaus hinaus schauen. Auch das Gelände der einmal geplanten Wiederaufbereitungsanlage (WAA, siehe auch unten bei Schwandorf) ist zu erkennen. Der Pilgerer/Wanderer erreicht Wundsheim. Das Dorf hat etwa 100 Einwohner und gehört zur Stadt Neunburg vorm Wald. Von hier aus geht es vorwiegend nach Westen. Im Bereich der Straße Godlhof-Raffach ist es wichtig, die Markierungen genau zu beachten. In Hohenirlach warten Einkehr- und Übernachtungsgelegenheit. Man quert hier die alte Straße Schwarzenfeld-Neunburg. Während die bisher beschriebene Route vorwiegend welliges Gelände erschloss und viele Aussichtspunkte aufweisen kann, hat die Landschaft zwischen Hohenirlach und der Autobahn A 93 ein anderes Gesicht: Große Wasserflächen, teils als Baggerseen wie oben angeführt, teils als Fischweiher, prägen den neuen Landschaftscharakter. Unser Weg "schmuggelt" sich zwischen dem Ödhof und dem Kulm (432 m) durch, erreicht den Edlmannsee. Kurz darauf kommen wir zu einer Straße. Hier halten wir uns links. Kurz vor dem Murnersee geht es wieder rechts. Am Seeufer entlang, hier steht ein Aussichtsturm, gehen wir ca. 300m und biegen dann rechts auf einen Wiesenweg  ein auf dem wir bis Rauberweiherhaus kommen. Von da an brauchen wir bis Holzhaus die Teerstraße. Im Gasthof Holzhaus finden wir wieder eine Einkehrmöglichkeit.  Unmittelbar am Gasthaus verlässt man diese Straße und wendet sich nach links. Bei einem zweiten Haken nach links verlässt man auch die alte Straße. Der weitere Weg ist häufig feucht, ist aber (auch) mit blauer Kreisscheibe eines anderen Wanderweges gut markiert. Vorbei am Sitz der Handwerkskammer in Charlottenhof kommt man zum Landsknechtweiher und Rotweiher. In der Regel kann man Wasservögel beobachten. Man ist hier Gast in einem Naturschutzgebiet und verhalte sich entsprechend. Man hört schon den Verkehr auf der Autobahn A 93 (Regensburg-Hof), wenn man wieder einmal nach links abbiegen soll. Endlich führt eine Brücke über die Autobahn. Gleich nimmt ein Steiglein im Wald den Wanderer oder Pilger wieder auf. Plötzlich geht es bergauf. Wir haben den Höhenzug vor uns, der von Osten her nach Schwandorf hinein reicht, zunächst den Holzberg, später den Weinberg. Das Steiglein - ob seiner Wurzeln für den Radfahrer wenig geeignet - hält sich am Nordhang entlang. Einmal kann man nach Prissath hinunter schauen. Weiter stadteinwärts überschreitet man eine Straße. Hier steht eine große Tafel, auf der Wanderwege eingezeichnet sind. Unsere Markierung trennt sich hier von der blauen Kreisscheibe. Wo die ersten Häuser von Schwandorf auftauchen, erkennt man rechts des Weges einen Wasserturm. Wir bleiben weiter auf dem Kamm und schlängeln uns zwischen den Grundstücken hindurch. Eine Stelle gibt den Blick hinunter auf die Stadt frei. Am auslaufenden Kamm geht es abwärts. Es ist beeindruckend, wenn man - von oben kommend - plötzlich zwei Türme vor sich hat: Der eine, der Blasturm, ist Teil der früheren Stadtbefestigung. Hier wohnte einst der Wächter über Feuer und Feinde, hier wurde aber auch 1812 Konrad Max Kunz, der Komponist der Bayernhymne, geboren. Der an-dere Turm gehört schon zu St. Jakob. Er ist aus dem ehemaligen Berg-fried entstanden. Die Kirche hatte man schon früher daneben gebaut und im Laufe der Jahrhunderte vielfach geändert.



Der Oberpfälzer Waldverein Schwandorf saniert zur Zeit das direkt daneben an die Stadtmauer angebaute Türmerhaus um darin eine Station für Wandererr und Pilger zu errichten. Wer dem OWv bei dieser großen Aufgabe helfen möchte findet auf der Homepage die Spendenkonten. Jeder € ist hoch willkommen!

Heute finden wir im Inneren der großen Kirche ein Tonnengewölbe mit Stichkappen. Der Hochaltar und zwei Steitenaltäre sind neugotisch gestaltet, es gibt aber auch gotische, spätgotische und barocke Elemente. Am Hochaltar sind die Berufung und die Enthauptung des Apostels Jakobus dar-gestellt. Außerdem steht der Heilige als Figur in einer äußeren Turmnische. 1285 wird Schwandorf als Markt und 1446 mit vollem Stadtrecht nachgewiesen. Treppengiebelhäuser am Marktplatz lassen mittelalterliche Ensembles ahnen. Heute hat Schwandorf (mit Einge-meindungen) ca. 28 000 Einwohner. Hier kreuzen sich die Bahnlinien Regensburg - Hof und Nürnberg - Cham. Die Autobahn Regensburg - Hof (A 93) berührt die Stadt im Osten. Die Bundesstraße B 85 verbindet Schwandorf mit Cham und mit Amberg und sie schafft im Westen Anschluss an die A 6 nach Nürnberg. In den 80er Jahren kam Schwandorf in die Schlagzeilen, als beim nahen Wackersdorf eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) für Kernbrennstäbe gebaut werden sollte. Seit der letzten Gebietsreform ist in Schwandorf der Sitz des gleichnamigen Landkreises. Dieser reicht im Osten bis zur Staatsgrenze, im Norden gehören die Stadt Schönsee und der Markt Wernberg-Köblitz, im Westen Fensterbach, im Süden Burglengenfeld und Nittenau dazu.


Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit sind die über 130 in früheren Jahrhunderten in den Berg geschlagenen Felsenkeller die teilweise besichtigt werden können. Besonders beindruckend ist das sogenannte Labyrinth, dass aus über 60 Kellern und Gängen besteht die auf mehreren Ebenen durch Durschläge und Mauerdurchbrüche miteinander verbunden sind. Wer Gelegenheit hat sollte es nicht versäumen an einer der zahlreichen Führungen die von ausgebildeten Gästeführer durchgeführt werden teilzunehmen. Die Führungstermine sind beim Tourismusamt zu erfragen. Gruppenbuchungen sind möglich. Festes Schuhwerk und eine warme jacke sollte man dabei haben, die Temperatur in den Felsenkellern liegt im Sommer wie Winter bei ca. 8 °.


Wer auf unserem Jakobsweg weiterziehen will, geht den Platz vor der Kirche bis etwa zur Mitte hinunter und wendet sich nach rechts. Von dort kann er schon auf die Naabbrücken hinausschauen und hinausgehen.


 Nach der ersten Brücke finden wirv rechts  nach rund 20 m eine gute, sehr gemütliche Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit . Jakobspilger oder Wanderer sind bei der Familie Baier im gleichnamigen Gasthof immer will-kommen. Gutbürgerliche Küche, einheimische Biere und gemütliche Zimmer laden zum verweilen und einlegen eines Ruhetages ein. Die Wirtsfamilie gibt gerne Tipps zu Sehenswürdigkeiten und den vielfältigen Freizeit-möglichkeiten der Stadt Schwandorf. Am Mittwoch ist Ruhetag.


Gleich am Ende der letzten Brücke führen Stufen nach links an das rechte Naabufer hinunter. Daran entlang leitet nun unsere Jakobsmuschel. Man kommt zum Festplatz und unterquert eine Bahnlinie. Die Naab wirkt hier recht breit. Stets ist der Blick über das Wasser frei. Während der Pilger oder Wanderer die Ruhe des kaum bewegten Wassers aufnimmt, spürt er doch den Puls der Stadt am jenseitigen Ufer. Bei Ettmannsdorf unterquert er eine Straße, die hier über die Naab führt. Der Steig am Ufer endet schließlich. Unser Weg springt hinauf in die Verlängerung der Wöhrangerstraße und führt an den Waldrand, dann weiter nach Naabsiegenhofen. Von dort biegt unsere Markierung nach rechts weg. Zunächst sachte, dann aber deutlicher steigt das Gelände an. Ein Waldgebiet ist zu durchqueren. Am westlichen Waldrand angekommen, erkennt man am jenseitigen Hang eines Trockentales den Ort Neukirchen. Das schmucke Dorf war 1978 das schönste Dorf der Oberpfalz und erhielt 1979 eine Goldmedaille im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Es hat ungefähr 300 Einwohner und gehört zur Stadt Schwandorf.

Man sollte hier unbedingt einmal in die katholische Pfarrkirche St. Martin hineinschauen: Die frühere Wallfahrtskirche zeigt ein Gnadenbild, Deckenfresken und vor allem einen romanischen Taufstein (rechts vom Altar) aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Bei der Kirche steht eine Jakobsfigur aus Bronze des Bildhauers lamprecht. Unser Weg führt an der Kirche vorbei und dann mit dem Kreuzweg nach rechts hinauf zur St.-Anna-Kapelle und weiter auf den fahrweg in Richtung Scheckenberg.  Der Weg nach Scheckenberg ermöglicht zahlreiche Ausblicke: Im Norden erkennt man den Pittersberg und darauf den gleichnamigen Ort; dahinter, über das Fensterbachtal hinweg, den Höhenzug des Johannisberges. Stulln und Teile von Schwarzenfeld, die den Südrand des Nabburger Flussspatreviers markieren, kann man ausmachen. Natürlich hat man auch einen schönen Blick auf Schwandorf, wobei die Kirchen St. Jakob und die doppel-türmige auf dem Kreuzberg be-sonders auffallen. Bei guter Sicht erkennt man im Osten von links nach rechts den Signalberg, den Cerkov (Schwarzkopf) und die Arbergruppe. Wer sich noch weiter dafür interessiert, bringe gute Sicht, ein Fernglas und eine geeignete Karte mit! Unsere nächste Station ist Siegenthan. Der Gutshof macht einen hervorragenden Eindruck. Er steht auf der Hochfläche inmitten riesiger Felder. - Der Jakobsweg zweigt bei Siegenthan nach halblinks weg. Nach knapp einem Kilometer taucht er in ein Waldgebiet ein, das durch wenige kleine Rodungs-inseln aufgelockert ist. Hier überqueren wir den 12. Längengrad. Wir kommen nach Dornberg. Im Norden sehen wir Thanheim, im Westen einige Häuser von Rieden. Westlich von Dornberg queren wir ein Trockentälchen, das von Thanheim herunterzieht. Wieder auf der Hochfläche angekommen, wenden wir uns unter die Hochspannungsleitung für gut 1,5 km nach rechts. In diesem baumlosen Gebiet sind die Markierungen meist auf eingegrabenen Steinen angebracht. Einmal, wo es nach links weggeht, helfen auch Zeichen an einem Hochspannungsmast. An einem Sportplatz vorbei kommen wir auf der Hochfläche bis zu den obersten Häusern von Ensdorf. Der Abstieg in den Ort erfolgt vorwiegend auf Fußsteigen. Ensdorf liegt im Tal der fischreichen Vils, wo schon vor 20 000 Jahren gesiedelt wurde. Heute bilden Landwirtschaft, Gewerbe (mit Holz- und Steinverarbeitung) und der Fremdenverkehr Erwerbsquellen im Ort. Einschließlich der eingemeindeten Dörfer zählt Ensdorf heute etwa 2300 Einwohner. Quartier, Einkehr und Versorgung aus Geschäften sind möglich.

Als Wahrzeichen des Dorfes gilt ein alter Turm. Es ist der Turm der ehemaligen Pfarrkirche St. Stephan, die schon vor der Gründung des Ensdorfer Klosters existierte. Der Dorfmittelpunkt ist das Kloster. Es geht auf eine Benediktinergründung 1121 zurück. 1507 brannte es ab und wurde schließlich aufgehoben. Um die Wende zum 18. Jahrhundert errichteten die Benediktiner hier eine neue Abtei. Erst 1921 entstand dann das Noviziat der Salesianer Don Boscos, deren Ziel es bis in unsere Tage war, durch gute Schulbildung verantwortungsbewusste Christen heranzubilden. Die klostereigene Schule wurde erst vor wenigen Jahren aufgelöst.

Im Mittelalter zogen Jakobspilger häufig durch Ensdorf. So wurde die Klosterkirche, die heute zugleich Pfarrkirche ist, dem hl. Jakobus geweiht. Die prächtige Barockkirche als Wandpfeilerbau wird Johann Dientzenhofer (1663 - 1726) zugeschrieben und die Deckengemälde des Langhauses Cosmas Damian Asam (1686 - 1739). Eines der Gemälde zeigt den hl. Jakobus auf einem Schimmel mitten in der Schlacht von Clavijo (Christen gegen Heiden, siehe oben bei "Fuchsberg"). Erwähnenswert sind auch wertvolle Schnitzarbeiten in der Sakristei, deren Künstler aber im Verborgenen bleibt.

In Ensdorf endet die Betreuung des Jakobsweges durch den Oberpfälzer Waldverein (OWV). Um die Anschlussstrecke kümmert sich der Fränkische Albverein (FAV). Achtung! Etwa 250 m südlich des Klosters (bei der Bäckerei Dietz) gibt es eine Stelle, von der gleich markierte Wege in drei verschiedene Richtungen führen. Man beachte die dort angebrachten Tafeln genau. In der Gastwirtschaft Bäckrei und Bierwirtschaft Dietz finden wir eine gemütliche Einkehr- Übernachtungsmöglichkeit. Am Sonntag ist die Wirtschaft geschlossen, für größere Gruppen wird aber gerne eine Außnahme gemacht. Telefon 09624/1288 .
Unsere Beschreibung des Weges entspricht der Richtung nach Santiago de Compostela. Als Wanderweg ist er aber auch in umgekehrter Richtung gehbar, markiert und gut zu finden. Wer sich für seine Fortsetzung nach Osten interessiert, kann sich beim OWV einige Tipps holen.

Entfernungstabelle

Ort KM KM
Grenze bei Tillyschanz 0,0 89,1 E
Tillyplatz in Eslarn 4,6 84,5 E, G, Ü
am Stangenberg 11,5 77,6
Gaisheim Mitte 13,4 75,7 (E)
Tröbesbach 14,6 74,5
Am Hohen Rainstein 18,3 70,8
Wildenstein 19,5 69,6 E, Ü
Kühried 22,2 66,9
Höcherlbach 22,8 66,3
Burkhardsberg 24,0 65,1 E
St. Jakob 25,1 64,0
Fuchsberg 26,1 63,0 (Ü)
Teunz 28,4 60,7 E, G, Ü
Voggendorf 30,9 58,2
Rottendorf 32,7 56,4 E, Ü
Enzelsberg 34,5 54,6
SAD 39 37,4 51,7
Felsmühle 40,4 48,7
Abstecher Guteneck 1 km (G)
am Pfaffenberg 41,8 47,3
Schirmdorf 44,5 44,6
Willhof Kirche 46,7 42,4
Abzweigung Altendorf/Weiche 47,3 41,8
Abstecher/Umweg über Altendorf 2/1 km E, G, Ü
Straße von Marklhof 48,3 40,8
Straße von Unterauerbach 49,9 39,2
Spinne 50,8 38,3
Mitterauerbach 52,6 36,5 (E)
Wundsheim 54,8 34,3
Weidingbach 56,9 32,2
Stangl-Berg 58,1 31,0
Hohenirlach / Holzwurm 58,9 30,2 E, Ü
Holzhaus 63,0 26,1 E
SAD 9 bei Charlottenhof 64,3 24,8
Rotweiher
A 93 67,3 21,8
Rotes Kreuz 70,1 19,0
Schwandorf, St. Jakob 72,3 16,8 E, G, Ü
Ettmannsdorf 75,0 14,1
Naabsiegenhofen 76,4 12,3
Neukirchen 79,6 9,5 (E)
Scheckenberg 80,7 8,4
Siegenthan 82,0 7,1
Dornberg 84,7 4,4
Ensdorf 89,1 0,0 E, G, Ü
E: Einkehrmöglichkeit, G: Geschäft für
Wanderverpflegung, Ü: Übernachtungsmöglichkeit
Einkehr und Übernachtungsmöglichkeiten:
Weitere Informationen, insbesondere zu
Übernachtungsmöglichkeiten, erhalten Sie bei folgenden
Tourismuszentren:
Landratsamt Amberg/Sulzbach, Tel. 09621 / 390
Landratsamt Neustadt/Waldnaab, Tel. 09602 / 79810
Landratsamt Schwandorf, Tel. 09433 / 203810
sowie im Internet:
www.touristik-opf-wald.de
www.oberpfaelzer-wald.de