Oberpfälzer Waldverein Schwandorf
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Anis (Anisum pimpinella)

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Mancher frägt sich: Anis oder Sternanis? Sind beides die gleiche Pflanze oder das Gewürz? Nein, obwohl sich der Geschmack und der Geruch ähneln, sind Anis und Sternanis zwei völlig verschiedene Pflanzen. Nun zuerst zu unserer einheimischen Anis (Anisum pimpinella) und Heilpflanze 2014: Anis ist ein Doldenblütler wie Dill und Fenchel. Schon die einjährige Pflanze kann eine Höhe von 50 cm erreichen. Unter günstigen Bedingungen wächst sie üppig und vewildert manchmal. In der Heilkunde kommt ausschließlich der Europäische Anis zur Anwendung. Anispflanzen sind einjährig und der Samen (aus dem Fachhandel) relativ empfindlich. Eine Aniskultur ist mit Sorgfalt anzulegen. Aussaat ist im Frühjahr (nach den Nachtfrösten) in lockerem Boden, der schon im Herbst mit viel Kalk und Humus vorbereitet wurde. Regelmäßiges Jäten ist Pflicht, da Anispflanzen kaum Kraft gegen Unkraut haben. Die Erde ist leicht feucht zu halten und die Triebe auf 10 cm auszudünnen. Sie sind vor brennender Sonne, kaltem Wind und stehender Nässe zu schützen. Ein warmes Plätzchen im Schutz einer Hecke ist ideal.

Zwischen August und September sind die Früchte reif. Ernte an sonnigen Tagen ohne Dunst, beginnend mit den reifen Mitteldolden. Wenn die restlichen Früchte eine dunkle Farbe angenommen haben, schneidet man die ganze Pflanze direkt über den Boden ab. Die Dolden legt man aus und bündelt sie zum Trocknen. Danach kann man die Anisfrüchte ausschütteln oder dreschen. Fazit: Anis ist keine robuste Pflanze und verlangt dem Gärtner ein hohes Maß an Sorgfalt ab. Schon vor ca. 1600 Jahren erkannten die Griechen als erste Nation die geschmacklichen Vorzüge der Anissamen. Sie buken duftendes Brot mit Aniskörnern und handelten mit Anisölen. Später schätzten die Römer die aromatischen Körner in Kleingebäck und Kuchen. Zu Zeiten des Kaisers Nero war es dann wieder ein Grieche in Diensten des römischen Militärs, der in einer umfassenden Arzneimittellehre schriftlich die Eigenschaften von "Anisum pimpinella" dokumentierte.

Von der Anispflanze verwendet man die Früchte, die gesund sind und gut schmecken. Der Gehalt an ätherischen Ölen ist hoch und wirken lindernd bei Appettitlosigkeit, Blähungen, Verschleimung durch Erkältung und Krämpfen und belebend im Fußbad. Anissamen werden ganz oder gestoßen, allein oder in Kombination mit anderen Früchten, innerlich und äußerlich angewendet. Auch als aromatischer Zusatz ohne Heilbedarf sind sie in Tees sehr beliebt. Nicht zu vergessen ist der sehr schmackhafte Anislikör. Rezepte und Tipps mit Anis: Für einen verdauungsfördernden Tee vermischt man zu gleichen Teilen zerstoßene Anis-, Fenchel- und Kümmelkörner. Pro Tasse genügt ein gehäufter Teelöffel und man muss ihn 20 Minuten ziehen lassen, bis man ihn geniesen kann. Man kann den Tee bis zu 3 mal am Tag trinken und auch bedenkenlos Kindern geben. Die lindernde Wirkung von Aniswickeln bei Bauchschmerzen kannten schon unsere Großeltern. Man füllt dazu einen Leinenbeutel mit gekochten, bis auf Körpertemperatur abgekühlten Aniskörnern und lege ihn bis zur Abkühlung auf den schmerzenden Bauch. Auch kann ein Esslöffel Anissamen auf kochendes Wasser gegeben und gut durchgezogen ein entspannender und entkrampfender Badezusatz sein.

Zur Ergänzung soll noch der Sternanis genannt werden: Der Sternanis ist ein immergrüner Baum, der in Südchina und Vietnam beheimatet ist. Die Frucht sieht wie ein kleiner Stern mit 8 Fächern aus und in ihnen liegt jeweils ein Samenkorn. Zur Verwendung kommen nicht nur die Samen, sondern die ganzen Früchte. Sternanisfrüchte werden oft für weihnachtliche Basteleien und Dekorationen verwendet. Auch in weihnachtlichen Duftpotpourris hat der Sternanis seinen Stammplatz gefunden.



Quelle: Gartenwelt